Lehrgänge

Licht ist alles

Sehr pauschal formuliert, aber doch wahr. Irgendjemand sagte einmal: ,,Fotografieren ist Malen mit Licht" und hat damit vollkommen Recht.

Es gibt für Fotografen einige lichtige - äh, wichtige Tageszeiten zum Fotografieren.

Für alle Zeiten gilt: nichts überstürzen aber dennoch zügig sein. Denn ein Sonnenuntergang dauert numal keine zwei Stunden an (zumindest nicht das stimmungstechnische Maximum) und die Blaue Stunde beispielsweise ist mehr ein fließender Übergang, als dass man sich einen Wecker danach stellen könnte.

Morgendämmerung/Sonnenaufgang

Für gewöhnlich die Zeit, in der man sich im Bett gerade umdreht und noch drei, vier Stunden weiterpennt. Disziplinierte Fotografen dagegen werden belohnt. Und zwar mit aussergewöhnlicher Lichtstimmung. Starker Bodennebel und goldene Farben bei Sonnenaufgang sind das ultimative Rezept für brilliante Landschaftsaufnahmen, vorwiegend Seen.

Pralle Mittagssonne 12.00 - 14.00 Uhr

Nungut, darüber lässt sich streiten. Eigentlich gilt diese Tageszeit nur dann als interessant, wenn der Himmel wirklich strahlend blau ist und nur vereinzelt von ein paar flauschigen Wölkchen bedeckt wird. Wer jetzt einen Polfilter zur Hand hat, kann sich glücklich schätzen - es kann gepolt werden bis zum Umfallen.

Vorteile sind kräftige Farben, insbesondere durch den Einsatz eines Polfilters und kurze Belichtungszeiten durch üppiges Licht.

Die Nachteile: harte Schlagschatten durch die Sonne im Zenit (Licht von oben), keine romantische Stimmung.

Für Portraitfotografie der wohl denkbar ungünstigste Zeitpunkt. Das Licht kommt von oben und hinterlässt grobe Schatten im Gesicht. Dadurch werden kleine Fältchen besonders hervorgehoben und wirklich stimmungsvoll ist das schon garnicht. Vermeiden kann man dies mit Reflektoren und Blitzen, doch letzterer Nachteil überwiegt meist.

Meine Empfehlung: man nutze diese Tageszeit um in Innenräumen zu fotografieren (Museen, Innenarchtiktur, Kirchen). Viel Licht fällt durch die Fenster und ermöglicht vielleicht den Einsatz kurzer Belichtungszeiten. Weiterhin ideal um Veranstaltungen aufzusuchen (z.B. Sport wie Reitturnier o.Ä., Festlichkeiten, usw.). Wiedereinmal sind kurze Belichtungszeiten das Stichwort, gerade in der Sportfotografie nicht ganz unwichtig.

 

Grasendes Pferd
Nicht mehr ganz zur Mittagszeit, aber dennoch demonstrativ
Landschaft | 6mm KB-äquivalent | 1/58s | f/7,2 | ISO 100

 

Später Nachmittag/Sonnenuntergangslicht

Das ist in der Regel die Tageszeit für Portraits im Freien. Die Sonne steht nun tiefer und betont durch das warme Licht die Hautfarbe. Ein bewölkter Himmel ist übrigens der beste Diffusor den man sich vorstellen kann. Das ist noch viel wichtiger bei Makroaufnahmen. Im Zweifelsfalle ein Stativ nutzen.
Sobald die Sonne dann noch ein wenig tiefer rutscht, versinkt alles in warmen Rot-Orange-Tönen. Werbeportraits sind nun vielleicht nicht mehr so super (enstehen ohnehin im Studio), dafür aber romantische Fotos hoch 3. Ob nun Die Spiegelung der Sonne auf dem glitzernden See, die Strandpromenade oder der [hier romantisches Motiv einsetzen] ist egal, das Licht ist die Geheimwaffe für tolle Stimmung.

 

Spazieren...
Zugegeben: kein allzu gelungener Schnitt, aber eine tolle Stimmung um 18.23 Uhr.
P Programmautomatik | 49mm KB-äquivalent | 1/250 Sek. | f/4,4 | ISO 200
Stimmung im Park
Durch den bedeckten Himmel ist das stimmungsvolle Licht schon etwas geringer
P Programmautomatik | 29mm KB-äquivalent | 1/80 Sek. | f/5,7 | ISO 100
Nassau-Hafen/Wilhelmshaven
Kurz vor Sonnenuntergang im Nassau-Hafen/Wilhelmshaven
P Programmautomatik | 12mm KB-äquivalent | 1/240 Sek. | f/3,5 | ISO 100

 

Besonders auch im Herbst, also in der Kombination Parkanlagen mit Laub & Menschen, ein absoluter Knaller.

Die S6500fd neigt in der Automatik meist zu starkem Blaustich um die warmen Farben zu kompensieren. Einfaches Nachbearbeiten mittels EBV schafft Abhilfe. Im Zweifelsfalle im RAW-Format (Weißabgleich) fotografieren.

Ob ein Stativ verwendet werden muss, entscheidet ihr. Manchmal reicht es auch schon, die Kamera kurz irgendwo aufzulegen.

Blaue Stunde

Die Blaue Stunde ist jene, die sich dann ergibt, wenn die letzten Sonnenstrahlen den Himmel illuminieren und der Einbruch der absoluten Dunkelheit bevorsteht. Der Himmel ist dann noch nicht ganz schwarz, sondern tiefblau. In welchem Ausmaß hängt immer ein bisschen vom Wetter ab. Auch die Tageszeit variiert, im Sommer etwas später und umgekehrt im Winter.

Diese Tageszeit nutzen die meisten, um HDR-Bilder zu erstellen (Leuchtreklame hebt sich super vom Himmel ab) oder Nachtaufnahmen zu machen (ein wenig Stimmung bleibt erhalten).

Oftmals geht die Blaue Stunde völlig an einem vorrüber. Das kann aber auch mal daran liegen, dass sie weniger ausgeprägt ist.

Stativ und zur Sicherheit Selbstauslöser ist Pflicht.

 

Blaue Stunde
Ein Musterhimmel in der Blauen Stunde (22.45 Uhr)
M Manuell | 6mm KB-äquivalent | 30 Sek. | f/10,9 | ISO 100

Stockfinstere Nacht

Wer auch noch Nachts fotografieren möchte und das noch nicht zur Blauen Stunde getan hat, der kann sich mitten in der Nacht nocheinmal rauswagen. Die Nacht bietet sich für klassiche Nachtaufnahmen, aber auch für Stern- und/oder Mondfotografie an. Letzteres ist mit der S6500fd etwas schwierig, doch Fotografieren ist was ihr draus macht (hmm, war das nicht Coca-Cola?)

 

Ausblick von der KW-Brücke um 23.56 Uhr
Mitternacht - stilles Wasser, schwarzer Himmel und jede Menge Licht
M Manuell | 6mm KB-äquivalent | 30 Sek. | f/8 | ISO 100

Stativpflicht!

P.S.: Packt lieber ein paar warme Klamotten, vielleicht etwas Tee und Fingerhandschuhe ein, des Nachts kann es doch überraschend drastisch abkühlen.

Noch ausführlicher hier:

Nachtaufnahmen

Soweit die interessanten Tageszeiten. Nun gibt es noch einige Wetterlagen oder Jahreszeiten, die nicht unerwähnt bleiben sollen.

Regenwetter (friesisch: Schiedwedder)

Zeit um die Akkus in's Ladegerät zu stopfen? Zeit um Bilder nachzubearbeiten/Sortieren? Zeit um sich im Forum aufzuhalten? Nicht wenn's nicht um Leben und Tod geht - eure Kreativität ist gefragt.

Nach dem Regen
Nach dem Regen
Automatik | 19mm KB-äquivalent | 1/60 Sek. | f/5 | ISO 200
Nach dem Regen
Während eines kleinen Schauers untergestellt
Automatik | 19mm KB-äquivalent | 1/240 Sek. | f/3,7 | ISO 100

Einzusetzen gilt es insbesondere den Boden. Also Pfützen, durch das Wasser enstehende Spiegelungen, Tropfen-Makros, Regentropfen am Fenster oder auf dem Auto usw..

Gerade die Spiegelungen auf den Straßen lassen sich super einsetzen, beispielsweise wenn sich Leuchtreklame darin spiegelt oder schimmert. Diese Aufnahmen kann man schon während des Regens machen, oder meist besser: kurz danach. Wenn die Kamera mal ein bisschen nass wird - macht nichts. Einfach kurz mal drüber wischen und weiter geht's.

Bei Tropfenmakros (siehe linkes Beispielfoto) kann es ganz interessant sein, einfach mal ein bisschen Licht in's Spiel zu bringen. Sei es der eingebaute Blitz oder die Schreibtischlampe die kurzerhand im Garten aufgebaut wird.

Schiedwedder beinhaltet natürlich nicht ausschließlich Regen. Auch von Stürmen zerformter Himmel gehört dazu. Also interessante, meist bedrohliche Himmelsspiele mit schwarzen Wolken und spektakulärem Licht.

Bewölkter Himmel

In letzter Zeit leider etwas zu häufig und meiner Meinung nach fotografisch auch nur bedingt zu nutzen. Makroaufnahmen kann man so ganz gut machen. Kein störender, harter Schatten und mehr oder weniger gleichmäßiges Licht.

Detailaufnahme
Übersichtlich
Zeitautomatik | 19mm KB-äquivalent | 1/52 Sek. | f/3,7 | ISO 100

Wenn man gerade auf einem Städtetrip ist und unbedingt ein paar architektonische Ergüsse festhalten möchte, dann sollte man darauf achten, möglichst wenig grauen Himmel mit auf's Bild zu nehmen.

Manchmal rettet man sich in solchen Fällen auch mit einer s/w-Bearbeitung.

In der Regel reicht aber, einfach mal den Bildwinkel zu verändern. Aussergewöhnliche Perspektiven oder mehr in's Detail zu gehen kann helfen.

Langweiliger Himmel
Detailaufnahme
Automatik | 25mm KB-äquivalent | 1/100 Sek. | f/3,8 | ISO 200

 

Frühling, Sommer, Herbst & Winter

Auch zu den Jahreszeiten lässt sich kurz etwas sagen, auch wenn sie sich durch den bösen Klimawandel mittlerweile weniger genau voneinander abgrenzen lassen.

Gerade im Herbst beispielsweise ergeben sich besonders interessante Farben. Geht einfach mal in den nächsten Park und achtet auf herumliegendes, orange-rotes Laub in der Abensonne.

Schaut euch einfach mal an, was der gute hellwach aus den Jahreszeiten macht: Frühling, Sommerabend, Herbst und Winter

 

 

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