Lehrgänge

Panorama-Fotografie

Ausrüstung

Einleitung

Stellt euch Folgendes vor: ihr seid im Urlaub und nun bei bestem Wetter mit Fahrrad und Kamera auf einer Radeltour inmitten einer wunderschönen Berglandschaft. Vor euch erstreckt sich der beindruckenste Ausblick, der Euch je über den Weg gelaufen ist.

Schneeverhangene, glitzernde Bergkuppen im Hintergrund, ein kleines Kuhdorf mit Kirche im Tal und rechts neben euch vielleicht noch ein glasklarer Stausee, abgerundet von einem tiefblauen Himmel.

Ihr holt also eure S6500fd aus der Tasche und freut euch über den 28mm KB-äquavivalenten Weitwinkel. Doch was ist? Es passt trotzdem nicht alles auf das Bild...

Was machen wir also? Richtig, ein Panorama! Kein Stativ dabei? keine Angst, sie gelingen frei aus der Hand manchmal genauso gut.
Stative sind in der Regel schließlich schwer und sperrig!

 

Hier sind drei Beispiele für frei aus der Hand geschossene und unbearbeitete Panoramen:

Gaster See (6 Einzelaufnahmen)
Gaster See (6 Einzelaufnahmen)
Eisenbahnstrecke Schortens - Sande (8 Einzelaufnahmen)
Eisenbahnstrecke Schortens - Sande (8 Einzelaufnahmen)
Nassau-Brücke in Wilhelmshaven (6 Einzelaufnahmen)
Nassau-Brücke in Wilhelmshaven (6 Einzelaufnahmen)

 

Zusammengesetzt wurden auch diese Aufnahmen mit der Panorama-Software autostitch. Es gibt aber noch zahlreiche Alternativen. Für diesen Lehrgang werde ich aber mit autostitch arbeiten, da mir persönlich, die Software die besten und schnellsten Ergebnisse gebracht hat.

Für einen Zeitaufwand von ca. 2 Minuten Aufnahmezeit, vielleicht 10 Minuten Zusammensetzung (Stitchen) und Nachbearbeitung, können sich die Ergebnisse allemal sehen lassen!

Natürlich sollte eine Panoramaaufnahme auch eine schöne Szene zeigen. Eine Kunstblume im Wartezimmer des Hausarztes, möchte wohl niemand als "ultimatives Breitbild-Erlebnis" bestaunen.

Meist nutzt man Panoramen bei Landschaftsaufnahmen, um eine weitläufige Fläche zu zeigen. Zum Beispiel den Ausblick über die Alpen oder die Skyline irgendeiner Großstadt.

Durchführung

Für diesen Lehrgang nehme ich das dritte Panorama als Beispiel, die Nassau-Brücke in Wilhelmshaven. Aufgenommen vom Parkplatz aus und kurz bevor wir uns im dortigen Restaurant die Bäuche mit Fisch vollschlugen.

Bei einer Stativaufnahme bleibt der Horizont immer auf gleicher Höhe, sofern die Kamera vorher justiert wurde (Tipp: Wasserwaage). Bei handgemachten Panoramen, bietet sich das einblendbare Gitter (DISP/BACK-Taste) als Hilfe an. Das ist wichtig, da man sonst unschöne Wellen im Bild hat, oder die Software schlechtenfalls gar keine Überlappungen erkennen kann.

Ist man ohne Stativ unterwegs, kommt ein weiterer Punkt hinzu. Die Körperhaltung.
Der Standort des Fotografen darf sich bei der Aufnahme nicht verändern. Man sollte also schon vor der Aufnahme "Probeschwenken".

Es hat sich bei mir bewährt, sich so hinzustellen, dass man für die letzte Aufnahme perfekt steht. Man dreht sich quasi wie ein Aufziehmännchen mit dem Oberkörper für die erste Aufnahme hin. Mit jeder Aufnahme kehren wir ein Stück weiter in die "Ausgangsstellung" zurück.

Außerdem wichtig ist, die Kamera nach Möglichkeit auf einem gedachten Punkt zu halten (gedachtes Stativ). Auf den Einzelbildern kann man nämlich anschließend sehen, ob der Fotograf zwischen den Aufnahmen beispielsweise einen Schritt gemacht, oder sich mit dem Oberkörper nach vorn gebeugt hat.
Man muss sich einfach vorstellen, dass man die Kamera um die eigene (optische) Achse drehen muss, das ist alles.

Dafür gibt es professionelle Stative mit sogenannten Nodalpunktadaptern. Bei Aufnahmen von entfernten Objekten spielt das aber keine wahnsinnig große Rolle. Erst bei Objekten die im Vordergrund stehen, ist bei Freihandaufnahmen ein Versatz unausweichlich.

Die Überlappung sollte ca. 1/4 betragen (wie beim Rasenmähen). Ruhig großzügig sein, da zu wenig Überlappung von keiner Software verziehen wird.
Minimale Abweichungen sind natürlich drin, doch "aus der Hüfte" kann es passieren, dass der Horizont auf einem von fünf Bildern total schräg ist. Das wäre im Nachhinhein nur schwer auszugleichen.

Der Aufnahmemodus ist oft das Schwierigste. Die meisten Fotografen geben den Tipp, die Belichtung an der hellsten Stelle zu messen (Richtung Sonne) und dann für alle weiteren Aufnahmen konstant zu halten (Auslöser halb durchdrücken und Belichtungszeit an die Zeitautomatik weitergeben). Diese Methode entspricht auch dem realen Bild des menschlichen Auges (siehe zweites Beispielpanorama).

Gleichzeitig sollte auch die Tiefenschärfe durchgängig sein (Blendenautomatik). Darüber lässt sich allerdings streiten. Wenn z.B. Personen im Vordergrund stehen, sollten diese natürlich scharf sein. Ist zwei Bilder weiter rechts aber nur noch weite Landschaft, dann stimmt der Fokusbereich natürlich nicht mehr. Probiert einfach aus, was euch besser gefällt. Auf jeden Fall läuft es auf den manuellen Modus hinaus.

In der Regel gehe ich so vor: mit der Blendenvorwahl wähle ich eine Blende im Bereich f/5,6 - f/8. Die Belichtungszeit wird entsprechend vorgegeben. Als Belichtungsmessart wähle ich meist Mehrfeld, bei nicht allzu starken Kontrasten auch Integral (besonders für Landschaften). Spot sollte nicht gewählt werden, da sonst bei jeder Einzelaufnahme, stets nur ein Teilbereich korrekt belichtet wird.

So ist jedes Einzelbild richtig belichtet, bei zu starken Lichtkontrasten kann das dann unnatürlich aussehen. Probieren ist gefragt, im Zweifelsfalle macht man halt zwei Reihen.

 

ISO 100
Aufnahme 1
ISO 100
Aufnahme 2
ISO 100
Aufnahme 3
ISO 100
Aufnahme 4
ISO 100
Aufnahme 5
ISO 100
Aufnahme 6

 

Sind die Aufnahmen im Kasten, können wir sie auf den Rechner überspielen.

Eine Bearbeitung der einzelnen Aufnahmen empfehle ich nicht, da wir sonst Helligkeitsunterschiede produzieren könnten, die die Panorama-Software hinterher wieder ausbügeln müsste.

autostitch besteht aus nur einer einzigen .exe-Datei, welche wir nun aufrufen. Wir wechseln über das Menü Edit zu den Options.

Autostitch Software
Das Optionsmenü

Dort brauchen wir erstmal nur drei Optionen verändern.

Als erstes die Bildgröße. Diese können wir entweder Pixelgenau angeben, oder bequem in Prozent.
100% bedeutet demnach, dass das Panorama in Originalgröße ausgegeben wird, zur Weiterverarbeitung also. Zum Testen reicht aber auch erstmal 25%.
Unten rechts geben wir dann noch den Arbeitsspeicher in Gigabyte (bei mir 1024 Megabyte = 1 Gigabyte) sowie die Qualität an. Auch hier kann der Wert testweise reduziert werden, für die finale Version wählen wir natürlich 100.

Wir bestätigen mit OK und drücken auf File und Open um die Einzelbilder zu laden. Ich habe meine Aufnahmen zuvor in Picasa gedreht.

Sobald die Einzelbilder ausgewählt wurden, beginnt die Software schon mit ihrer Arbeit. Das kann je nach Auflösung der Aufnahmen, Qualität, vorallem Ausgabegröße und natürlich der Rechenleistung etwas dauern.
Für unser Beispielpanorama benötigt meine 2000 Megahertz-Möhre mit einem Gigabyte Arbeitsspeicher, bei obigen Einstellungen ca. 30 Sekunden. Die Ausgabegröße ist der Faktor, der die Geschwindigkeit am meisten beeinflusst.

Autostitch Software
autostitch während der Arbeit

Sobald das Panorama fertig ist, wird es automatisch geöffnet und wir können das Ergebnis begutachten. Die Datei wird stets im selben Ordner abgelegt, wie die Originalaufnahmen. Sie heißt stets pano.jpg. Das ist zu beachten, wenn Einzelbilder mehrerer Panoramen im Ordner liegen, denn die Ausgabedatei wird dann ohne Nachfrage überschrieben. Einfaches Umbenennen schafft Abhilfe. Weiterhin wird noch eine Logdatei namens pano.txt im Verzeichnis angelegt. Darin finden sich, meiner Meinung nach, die Koordinationspunkte für die Überschneidungen. Das ist nicht weiter interessant und die Datei kann gelöscht werden.

Das ausgegebene Panorama kann nun in ein beliebiges Bildbearbeitungsprogramm geladen und nachbearbeitet werden. Wichtig ist, dass man die schwarzen Ränder abschneidet. Um später durch den Zuschnitt so wenig wie möglich vom Bild zu verlieren, empfiehlt es sich, die Aufnahmen im Hochformat zu machen. Dadurch entsteht die Beugung durch das Zusammenfügen in unwichtigen Bereichen.

autostitch ist übrigens auch in der Lage mehrreihige Panoramen zu erstellen. Dieses hier ist beispielsweise aus 4 Aufnahmen enstanden, zwei in der oberen Reihe, zwei in der Reihe darunter:

mehrreihiges Panorama
Ein mehrreihiges Panorama auf die Schnelle
28mm KB-äquivalent | ISO 200

 

 

nach oben